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Verwunderung über Mehrkostenstudie
Für wahlweise Entsetzen, Kopfschütteln oder gar Erheiterung sorgt seit einigen Tagen eine Studie der Kieler „Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen e.V.“, die herausgefunden haben will, dass mehrgeschossige Passivbauten 30 % teurer sind, als Gebäude nach der aktuellen Energieeinsparverordnung (EnEV) 2009. Untersucht wurden, so die Macher der Studie „Passivhaus, Effizienzhaus & Co - Aufwand, Nutzen und Wirtschaftlichkeit“, 100 Neubauten in Deutschland, die in verschiedenen Effizienzklassen errichtet wurden. Dabei wurden dann die Kostengruppen 300 (Bauwerkskosten) und 400 (Technische Anlagen) verglichen und auf den Quadratmeter umgelegt.
Dieses Verfahren sorgte bei Experten für Verwunderung: „Man kann doch nicht die Kosten irgendwelcher Häuser vergleichen und dabei Kriterien wie Architektur, gewählte Baumaterialien, Standort etc. einfach außer acht lassen“, sagt ein Passivhaus-Architekt und ergänzt: „Mit der selben Methode und ebenfalls gezielt ausgesuchten Gebäuden könnte man mühelos beweisen, dass EnEV-Häuser 20 % teurer sind als Passivhäuser“.
Einigermaßen erhellend ist es, sich die Auftraggeber und die Motivation der Studie anzuschauen: Die beiden Verbände der Wohnungswirtschaft VNW – Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen und BFW Landesverband Nord e.V. – Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen e.V. bezeichnen die Rechenspielereien unverblümt als „ihre Studie“ und weisen sogar darauf hin, dass die zu vergleichenden Daten aus ihren Reihen ausgewählt wurden. Mit der Studie wollen die Verbände, die zusammen gut 500 Unternehmen der Wohnungswirtschaft in Norddeutschland vertreten, gegen die Pläne der Stadt Hamburg kämpfen, das Passivhaus zum Standard im Wohnungsbau zu erklären.
Ernüchternd für manchen Passivhausplaner ist, dass sich ausgerechnet die Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen e.V. hat vor den Karren der Wohnungswirtschaft spannen lassen und damit das Passivhaus ausbremsen soll. Die ARGE ist eine von wenigen durch das Passivhaus Institut lizenzierten Institutionen die – gegen gutes Geld – die Qualität von Passivhäusern prüfen und zertifizieren dürfen. Bislang galt das in der Branche als grundsätzliches Bekenntnis des Vereins zum Passivhaus.
