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Freitag, 18.05.2012

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Frankfurt: Wahlkampf ums Passivhaus

Ausgerechnet Frankfurt! In der Welthauptstadt des Passivhauses wird energieeffizientes Bauen zum Wahlkampfthema der bevorstehenden Kommunalwahl. CDU und SPD stehen sich unversöhnlich gegenüber. Die einen wollen auch künftig konsequent den Passivhausstandard, den anderen geht das alles zu weit. Für Außenstehende vielleicht überraschend: Die CDU ist es, die die Passivbauweise befeuert, die SPD gibt den Bremser.

Seit Jahren baut sie städtische Wohnbaugesellschaft ABG passiv. Neubauten werden grundsätzlich als Passivhäuser ausgeführt, bei Sanierungen wird mit Passivhaus-Komponenten eine bestmögliche und wirtschaftlich sinnvolle Energieeffizienz erreicht. Die amtierende CDU-Oberbürgermeisterin, Petra Roth, und der Chef der AGB, Frank Junker, stehen zur überregional beachteten politischen Linie, städtische Bauten wann immer möglich als Passivhaus auszuführen und zu sanieren. Der Erfolg gibt ihnen eigentlich auch recht: Die Mietpreiserhöhungen nach erfolgreichen Sanierungen sind minimal, in vielen Gebäuden lohnt dank der Energieeinsparung die Heizkostenabrechnung nicht mehr und die Mieter zahlen nur eine kleine „Flatrate“. 2010 hatte Frank Junker im Interview mit dem Passivhaus Kompendium berichtet, dass die Akzeptanz bei den Mietern groß ist. Außerdem: die AGB verwaltet rund 50.000 (!) Wohneinheiten. Die meisten davon werden in den nächsten Jahrzehnten saniert werden müssen. Spätestens in zehn Jahren ist der Passivhausstandard Pflicht – man kann den Aufschrei heute schon hören, der dann durch Frankfurt hallen würde, wenn die Stadt dann eingestehen müsste, dass viele Mieter in Wohnungen leben müssen, die zwar erst wenige Jahre alt sind, aber in minderwertigem Effizienzstandard ausgeführt wurden. Die dann geltenden Energiepreise werden deutlich über dem heutigen Niveau liegen und die Mieter werden unter der Last der Nebenkosten ächzen.

Ausgerechnet die SPD will in Frankfurt von all dem nichts wissen. Ihr Chef, Gernot Grumbach, hält Passivhäuser für teuren Luxus und glaubt, damit vertreibe die Stadt Mieter, bzw. schaffe teuren Wohnraum. Man könne sich, findet Grumbach, auch mit zwei Dritteln der möglichen Energieeinsparung zufrieden geben und dafür mehr und günstigeren Wohnraum schaffen.

Wirklich wirtschaftlich ist die SPD-Forderung freilich nicht. Denn wie jede Investition rechnet sich natürlich auch das Passivhaus erst in der Zukunft, dann aber richtig. Deshalb ist die Passivhaus-Branche auch dankbar, dass das Passivhaus nun erstmals sogar ein Wahlkampfthema ist. Die besseren Argumente liegen bei den Befürwortern und mündige Wähler können meistens auch rechnen.

Freitag, 21.01.2011 09.03 Alter: 1 Years